Texte aus der EP Patiri Patau


Kichererbsen im Perserteppich

Ich bin so müde
So müde

Und wenn ich nicht müde bin
Dann schlafe ich

Und wenn ich nicht schlafe
Bin ich traurig

Tränen, sagst du, sind das Gleitmittel der Einsamkeit
Und verlieben wollte ich mich heute Abend nicht
Aber die Leitung auf der ich stehe
die endet direkt bei dir

Du kleidest dich wie früher,
Der Hosenbund hoch, das -Bein zu kurz
Schau, ich kann beinahe meine Zehen berühren
Doch mein Rumpf ist dafür zu knapp

Im Teppich liegen Kichererbsen
Die dir ständig beim Lachen aus der Nase fallen

Und meine Gitarre, die ist verstimmt
Das macht dir nichts aus
So fühlt es sich also an
ein Orang-Utan zu sein
dem der Apfel nicht verwehrt bleibt

Alles kommt wieder
nur die Wölfe kommen nicht wieder
Denn wenn der Wolf einmal weg ist
Dann bleibt er das auch

Auf der Lichtung da stehen die Wölfe
Denn alles kommt wieder
Hab keine Angst,
ich steh neben dir, sagst du
und dein Lächeln mit den schönen geraden Zähnen schenkt mir Trost
Schau her,
Ich bin kein trauriger Orang-Utan mehr

Alles kommt wieder
nur die Wölfe kommen nicht wieder
Denn wenn der Wolf einmal weg ist
Dann bleibt er das auch

Aber du bleibst, und wir werfen gemeinsam Kichererbsen in den teuren, kitschigen Perserteppich, und du stimmst meine Gitarre und spielst die schönsten Lieder und ich muss wegschauen aber ich hör zu mit meinen großen, flauschigen Ohren, und wir pflücken Äpfel, alle Äpfel der Welt und verfüttern sie an Orang-Utans damit niemand mehr weinen muss, niemand muss mehr weinen...Also sei kein Wolf, sei kein Wolf und bleib

 

Tyrannosaurus Rex

Ja, vielen Dank, dass Sie so energisch ihre Handflächen für mich aufeinander prallen lassen. Ich weiß das wirklich zu schätzen. Denn in letzter Zeit schlaf ich sehr schlecht und träume noch schlechter.

Ein Traum: ich habe Vorstellung und während der gesamten 90 Min applaudiert niemand . Ich bin nervös, meine Hände werden weich, die Knie feucht und ich übergebe mich leicht in mich selbst. Am Ende der Vorstellung geht das Saallicht an und ich sehe im Publikum sitzen ausschließlich Tyrannosaurus Rex... Rexis, Rexa?

 

Seidenpapier

Ich pack dich ein in Seidenpapier
und nehm dich zu mir
Heim

Ich bin ein Schwein
das Lokal gemein
Du hast doch eine Eigentumswohnung
in meinem Herzen
Komm doch rein, wir fühl'n uns fein
Ich lad dich auf einen Grenadiermarsch ein

Doch ich, ich sag nichts
(Doch er sagt nichts)

Simple Dinge sind halt kompliziert

Ich pack dich ein in Seidenpapier
und nehm dich zu mir
Heim

Du warst schon da
ich war ein Narr
dir damals nie wirklich nah

Na, Na, Na, Na...
Sag doch ja, Sag doch ja, Monika!
(Ja zu mir, ja zur Liebe, ja zu Patiripatau)
Oh, es ist ein Herz auf deinem Becher
Diesmal zeichne (mache) ich es besser mit rotem Edding,
der sich nicht abwäscht, der nicht ausbleicht

Ich pack dich ein in Seidenpapier
und nehm dich zu mir
Heim
Ich lad dich ein auf ein Seiterl Bier
und nehm dich zu mir heim
(dort bin ich ohne dich so allein)

 

Clowns

Ein Traum: ich geh durch die Straßen Wiens und mir kommt ein Clown auf einem roten Fahrrad entgegen. Bevor sich unsere Wege kreuzen wird er von einem Polizisten angehalten. Er wird gebeten sich abzuschminken, da dies gegen das Vermummungsverbot verstoße.

Der Clown kommt der Aufforderung nach und wischt sich die Schminke ab. Und darunter erkenne ich eine Tätowierung die genau so aussieht wie das Make-up darüber. Der Polizist blickt dem Clown tief in die Augen, zieht sich die Maske vom Gesicht und zum Vorschein kommt … der gleiche Clown.

Sie beginnen sich langsam und dann immer leidenschaftlicher zu küssen. Und plötzlich sind alle Menschen um mich herum Clowns und schmusen. Nur ich nicht.

 

Irmgard

In der Früh trink ich kein Bier
Und sie sagt:
Irgendwo ist immer Abend
Irgendwo muss es immer gut werden

Ich wollte meinen Kummer im Bier ertränken
doch er hat schwimmen gelernt
(Badewaschel)

Ich bin kein Schwan, ich bin ein Mensch
Denn ein Schnabel kann nicht lachen
Ja, das ist der Preis fürs Fliegen, Oh Irmgard

Oh, Lass mich nicht mehr gehen
Irmgard, ich kann dich schon sehen

Wer schmust, der kann nicht hassen
Und sie sagt:
Wenn ich körperliche Nähe will, fahr ich Uber
Wenn ich schmusen will, setz ich mich in die U6
(Schwarzkappler)

Mein Herz, es liegt auf der Bruscetta
Früher war dort noch mehr Lametta
(Die Liebe)

Ja, die Liebe, sie kann nichts verändern
Aber sie versüßt die Niederlage, Oh Irmgard

Oh, Lass mich nicht mehr gehen
Irmgard, ich kann dich schon sehen

Oh Irmgard, ein Strumpfband muss man bezahlen
Und sie sagt:
Gesetze sind wie Herzen
Sie müssen gebrochen werden

Oh, Lass mich hier nicht stehen
Irmgard, ich kann dich jetzt schon sehen

 

Seifenblasen

Du schaust in den Spiegel und fragst dich was hat dich bloß so ruiniert und die Antwort kennen nur die Sterne.
Chor: Würdest du mehr Seifenblasen blasen anstatt zu schreien, würde die Welt eine bessere sein.

 

T.T.T.

Meine Eltern waren süchtig. Süchtig nach Uhu-KlebeSticks und einer rumänischen Zirkusfamilie. Mutter hatte ein Verhältnis mit einem kleinwüchsigen Clown wodurch Vater, ein Steuerberater der Lenkräder verkaufte, zu kurz kam.

Meine Schwester biss mir deswegen oft ins Bein und in den Hypothalamus. Sie war der Meinung es wäre alles meine Schuld und, dass sie zumindest Enrico als Vater und einen Gameboy Color Advance SP statt einen Bruder verdient hätte.

Mutters Clown dämpfte seine Zigarette stets gekonnt mit einer Drehung auf meiner Fontanelle aus. Dabei jodelte er vergnügt wie ein paarungsbereiter Tiroler-Tanzbär in den Wechseljahren. Die tätowierte Träne unter seinem milchigen Auge spiegelte alle Farben des Regenbogens wider: Grau. Ein Regenbogen der ich gern gewesen wäre. Vernarbt und mit blinkender Schaumstoffnase.

Die äußeren Wunden konnten aber wollten nicht verheilen, genauso wie die inneren. Mein Körper gab mich auf und ich weinte mich jeden Tag in und aus dem Schlaf. Es stimmt schon was man sagt: Die Hoffnung stirbt eben immer zuerst.

 

Hochzeit

Ein Traum: ich fahr zur Hochzeit meiner Ex-Freundin. Aber sie heiratet nicht mich. Ein Antrag 2 Jahre nach der Trennung war nicht die beste Idee. Ich bin viel zu früh dort. Wie immer . Ironischerweise auch der Grund warum sie mich verlasen hat.

Ich muss mich mit ihren Eltern unterhalten. Die mich nie mochten. Weil ich weder einen Führerschein noch eine Eigentumswohnung besitze. Und irgendwann kommt die Stelle an der der Pfarrer fragt: wer etwas gegen diese Eheschließung hat, soll jetzt sprechen oder für immer schweigen.

Ich spring auf und schreie: Einspruch euer Ehren!? Die Monika schaut mich an, blickt mir in die Augen und fragt erwartungsvoll: Wieso?
Und ich, ich sag nichts